Türkeireise

Flugtauben in der Türkei

Letzten Sommer hatte ich die Möglichkeit mit S. Akbulut und U. Seeger zwei Wochen die Türkei zu besuchen. Um überhaupt Taubenzüchter zu finden und dann noch deren Tauben zu sehen,
dazu braucht mal unbedingt Freundschaften und allerlei Beziehungen.

Talih Eroglu züchtet selbst seit 40 Jahren Kelebek und Mardin und ist ein langjähriger Freund von S. Akbulut. Talih kennt etliche Züchter in der Umgebung vom Marmarameer. So sind wir zu viert täglich auf Züchterbesuch gegangen. Kelebek werden in verschiedenen, für Flugtauben farblich gut durchgezüchteten Linien gehalten. Am verbreitetsten in diesem Gebiet sind gelbe und rote, weisslatzige und mit weissen Schwingen ( Akbas). Die beiden Farben gibt es auch mit der Bezeichnung Cakal, wenn sie dazu noch einen weissen Schwanz haben. Seltener sieht man Blaue und Schwarze mit derselben Zeichnung, die ein sehr schönes Bild abgeben.

„Ihr müsst noch viele Ofen Brote backen bis Ihr wisst, wie Kelebek richtig fliegen müssen“

Sehr häufig werden weisse Kelebek mit Schwarzschwanz (Karakuyruk) und Bärtchenzeichnung gezüchtet. Die Schläge befinden sich meist auf den Flachdächern, von wo aus es Ideal zum
fliegen ist. Geflogen wird meist am Abend, weil es im Sommer am Nachmittag drückend heiss ist. Mit langen Stecken werden die Tiere auf dem Dach herumdirigiert. Eines Abends haben in Mustafakemalpasa drei Züchter gleichzeitig ihre Kelebek aufgelassen, so dass im Umkreis von etwa
zweihundert Meter ca. 300 Tiere in den Himmel hinaufschwärmten. Deutlich konnte man den typischen Schmetterlingsstil, das quirlige Auf- und Ab beobachten. Als dann die ersten Kelebek wieder landeten, kamen sogleich die höherfliegenden auf die jeweiligen Schläge herabgeschossen. Mehr als auf den
Sturz wird auf das horizontale Drehen geachtet. Gute Tiere tun dies blitzschnell und ohne an Höhe zu verlieren. Nicht alle Linien drehen gleich viel horizontal, darum ist es wichtig dass die Linien nicht untereinander vermischt werden. Sonst kann viel von der Flugvielfalt verloren gehen. Jeder Typ hat seine eigenen Flugspezialitäten.


Am späten Abend trafen wir uns jeweils in den Züchtercafés, wo meist zwanzig bis fünfzig Leute einkehrten, um zu diskutieren und zu fachsimpeln. Ohne Talih hätten wir wohl nichts von alledem zu sehen bekommen. Wer auf eigene Faust in die Türkei auf Taubensuche gehen will, wird wohl nur auf den Märkten Tauben zu sehen bekommen. Doch meistens werden da vermischte Tiere angeboten, die einem in der Zucht nie weiterbringen werden. Durch S.Akbulut habe ich gelbe, rote und Bärtchenkelebek bekommen und ich bin sehr zufrieden mit den Linien. Eine kleine Geschichte am Rande. Für mich als Westeuropäer war beeindruckend was für eine Ruhe und Gelassenheit die Türken an den Tag
legen. Jedesmal wenn wir in ein Haus eingeladen wurden mussten wir wie so üblich die Schuhe ausziehen. Da mir meine Schnürschuhe schon am 2.Tag auf die Nerven gingen, haben wir uns entschlossen für mich ein Paar Schlupfschuhe machen zu lassen. Also rein ins Schuhgeschäft! Erst mal hiess es sitzen und Teetrinken. Nach etwa 45 Minuten Geplauder wurden mir endlich meine Füsse
ausgemessen. Schuhgrösse 48 war hier nicht sehr üblich, sodass ungefähr das gefühlte halbe Dorf in den Schuhladen kam um sich selbst davon zu überzeugen. Nach dem ungefähr fünften Tee, der immer ein kleiner Junge Tablettweise anbot, und 2 Stunden später war alles erledigt (mein Hinterteil
fühlte sich schon taub an). Meine Schuhe konnte ich 3 Tage später abholen, handgemacht, Leder, für damals umgerechnet etwa 20 Mark. Abschliessend möchte ich mich bei all denen herzlich bedanken, bei denen wir die Schläge und Tiere sehen durften. Vor allem bei T.Eroglu, der uns die zwei
Wochen begleitete, und auch bei S.Akbulut und U.Seeger, mit denen ich zwei unvergessliche Wochen erleben durfte.


Franco Visonà, 1993

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