Reise von zwei Eidgenossen

Reise von zwei Eidgenossen

Im Winter dieses Jahres hat mich ein Türke aus Bielefeld angerufen und wollte unbedingt Kelebek von mir. Nach einem längerem Gespräch sind wir so verblieben dass ich im Sommer einmal zu ihm raus fahren werde und die Tiere bringe. Das dass eine meiner intressantesten Taubenreisen werden würde, habe ich mir da noch nicht träumen lassen.

Mitte August war es dann so weit. Ich und Hans Ganz (der sofort Feuer und Flamme war mitzukommen) sind tief in der Nacht Richtung Deutschland gestartet. Unser erstes Ziel war in der Nähe von Köln bei Thomas und Pinar. Thomas züchtet Kelebek, Adana und Wiener Hochflieger. Leider konnte er nichts vorfliegen weil in der Gegend ein Ger-Wanderfalkenmischling (entflogen) wütete und ganztags jagte! Seine Adana sind mitunter von dem Seeger/Distel Blut, also was vom besten dass ich persönlich je im Sturz gesehen habe! Seine Edremit Kelebek (Schwarzschwänze aus Edremit) hätte ich sehr gerne im Flug bestaunt, denn ich habe viele intressante Berichte darüber gehört. Eine Augenweide waren die Wiener im Hochflugschlag. Diverse Farben, mitunter Farbstörche waren zu sehen, natürlich Flugtyp.

Nach reichlicher Verpflegung und toller Bewirtung sind wir am Nachmittag etwa 40 km weiter zu Salih gefahren. Salih ist Türke und züchtet Kelebek, Dönek und einige Wuta. Im grossen Garten sassen wir gemütlich und löschten unseren Durst trotz Ramadan ergiebig (natürlich Mineral). Nach den Wuta und den Dönek wurden die Kelebek gestartet. Wie es so üblich ist in einem grösseren Trupp von etwa 15 Tieren. Schwarzköpfe, Blauköpfe und Rotköpfe stiegen rasch in den Wind und zeigten uns den typischen Kelebek Flug mit drehen, durcheinanderfliegen und stürzen. Wir waren überzeugt und der Handel konnte beginnen. Ich habe ihm ein Paar rote Kelebek von mir mitgenommen was die ganze Sache vereinfachte und uns für wenig Euro an gute Tiere kommen liess

Nach einer zweistündigen „Irrfahrt“in und um Duisburg haben wir den einen Türken, der von mir Tauben haben wollte, gefunden. Aus Zeitmangel (und kleinem Blechschaden) sind wir aber gleich los zum nächsten Züchter nach Melle. Bei den Türken ist es wie bei den Schweizern, es gibt angenehmere und weniger angenehmere!

Die 1 1/2 stündige Fahrt ist mit Hans wie im Flug vergangen und dank GPS sind wir zielsicher bei Maze in Melle gelandet. Toll war dass wir bei ihm unsere Einkäufe einkäfigen und füttern konnten. Gemütliches Grillen im Dunkeln und ein Bierchen rundeten den Tag ab. Nach der Übernachtung im riesigen Hotel Melle wurden die Kelebek und Orientroller von Maze geflogen und das riesige Grundstück bestaunt.

Darauf fuhren wir weiter Richtung Nordhorn zu Hermann Wolf und seiner riesigen Flugtaubenoase. Hermann fuhr mit uns zuerst zu Werner Blaak. In seiner riesigen, sehr gepflegten Anlage züchtet er Kelebek und Wammen. Intressiert bestaunten wir alle Schläge und zu meiner grossen Freude sah ich Rote, Gelbe und sogar Schwarze Akbas. Der gemächliche Norddeutsche hat uns erst seine Wammen geflogen. Bei so starkem Wind dass wir Schweizer sicher nie eine Taube fliegen würden. Die Tiere standen immer schön über dem Schlag und reagierten jedesmal sofort auf seinen künstlichen Dropper. Die Kelebek wurden wie gewohnt in grossem Schwarm gestartet und sie zeigten trotz starkem Wind einen gute Leistung. Natürlich haben wir auch da unsere Körbe weiter gefüllt und sind glücklich zum nächsten Züchter gefahren.

Bei Özer sahen wir schöne Rot und Schwarzköpfe (Kelebek). Nach 2 Minuten Flug war der Wanderfalke da. Er brütet in Sichtweite auf einem Kamin und fordert die Nerven von Özer. Nach einem schmack-haften Essen bei Hermann konnten wir seine Schläge ausgiebig bestaunen. Kelebek, Wammen, Segler und Mövchen waren da zu sehen. Die Kelebek und Wammen wurden ausgiebig geflogen. Bei den Wammen blieben aus dem 27er Stich leider einige Tiere aus, was Hermann sehr beschäftigte. Ich denke das kennt jeder Flugtaubenzüchter.

Etwa um 16 Uhr sind wir weiter zu zwei Züchtern in der Nähe. Der eine hält Adana und der andere Kelebek und Dönek. Die Wammen konnten wir wegen der Mauser nur am Boden sehen. Dafür wurden die Kelebek über eine Stunde immer und immer wieder hochgejagt. Der einsetzende Regen störte den Züchter nicht. „Muss fliegen“, sagte er immer wieder, „muss fliegen“. Nach dem üblichen Fachsimpeln entschlossen wir uns die Heimreise anzutreten. Nach einem Kurzhalt bei Melle, wo wir ja noch Tiere hatten sind wir voller Vorfreude Richtung Schweiz zurück und mitten in der Nacht glücklich aber müde angekommen.

Vielen herzlichen Dank an alle Züchter die uns ihre Tiere gezeigt haben. Es war ein tolles Wochenende das uns immer in Erinnerung bleiben wird.

Franco Visonà

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